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Wissenschaft und Astrologie

Posted by admin on March 29th, 2012 and filed under Astrologie | Comments Off on Wissenschaft und Astrologie

Ich habe mich kritisch über Wissenschaftler und ihre Weigerung geäußert, sich ernsthaft mit der experi­mentellen Arbeit der Astrologen zu befassen; wir können dennoch recht gut einsehen, warum dem so ist. Wissen­schaftler halten sich an bestimmte Verfahrensregeln, die im Verlauf der Jahrhunderte etwas Sakrosanktes bekamen, weil man feststellte, dass sie funktionierten. Die meisten Astrolo­gen halten sich nicht an diese Regeln und begehen alle mögli­chen Arten von Verstößen, welche die Orthodoxen in Wut versetzen. Sie stellen Behauptungen auf, denen es an Sub­stanz oder zumindest an Begründung fehlt; und gerade die Argumente, die viele von ihnen zugunsten der Astrologie an­führen wollen, wie etwa die Behauptung, dass die Astrologie eine lange Ahnengalerie habe – die meisten Astrologen grei­fen ja tatsächlich auf die uralten Lehren zurück -, sprechen in wissenschaftlichen Kreisen gegen sie. Wenn die Astrologie eine Wissenschaft ist, dann dürften wir erwarten, dass sie über die primitiven Regeln und Anweisungen, die vor rund zwei Jahrtausenden niedergelegt wurden, inzwischen hin­ausgewachsen ist. Warum hat es so wenig Fortschritt gege­ben? Warum sind wir heute einem Beweis für astrologische Behauptungen nicht näher, als man es damals war?

Wie sehr wir es bedauern mögen: wir müssen zugeben, dass solche Kritiken gewichtig sind. In diesem Buch haben wir versucht, die besten Arbeiten zu untersuchen, die von An­hängern der Astrologie durchgeführt wurden, und allzu oft mussten wir feststellen, dass sie in ihrer Konzeption amateur­haft, in der Durchführung fehlerhaft und in der statistischen Analyse des Materials alles andere als streng waren. Selbst die am häufigsten zitierten Studien haben Schwächen, die sie als schlüssige Beweise ausscheiden ließen. Vielleicht sollten wir nicht allzu überrascht sein. Wissenschaft ist eine anspruchsvolle Disziplin, die Übung und Erfahrung verlangt. Es gibt viele Regeln des Experimentierens und der statistischen Analyse, die einem Außenstehenden pedantisch vorkommen mögen, in Wirklichkeit aber unerlässlich für ei­nen Erfolg sind. Ich habe an anderer Stelle Beispiele schein­bar trivialer technischer Einzelheiten angeführt, die die Re­sultate eines Experiments völlig auf den Kopf stellten. Der Hauptfehler, auf den wir immer wieder zurückgekom­men sind, ist der Mangel an Replikationen. Es genügt nicht, dass ein zweiter Forscher sich auf eigene Faust auf einen ähn­lichen Weg macht. Will er die ursprüngliche Forschung bestä­tigen, muss er sie in der gleichen Form replizieren. Und wenn er dann die gleichen Resultate erzielt, dient seine Arbeit als Be­stätigung. Natürlich ist es aufregender, neue Ideen in die Welt zu setzen, als diejenigen eines anderen zu überprüfen, und ein Gläubiger empfindet natürlich keine große Freude bei dem Gedanken, ein Resultat zu widerlegen, das seinen Glauben bestätigt. Doch dies ist die einzige Möglichkeit, wie eine wahre Wissenschaft voranschreiten kann. Eine Hypo­these muss wiederholte Versuche überleben, sie zu zerstören. Nur dann können wir Vertrauen in sie setzen. Die Replikation wird besonders wichtig, wenn das Ergebnis eines Resultats unerwartet ist und Implikationen hat, die sein Forschungsgebiet revolutionieren müssten. Es ist durchaus verständlich, dass andere Wissenschaftler nicht bereit sind zu­zulassen, dass Theorien, die über Jahre hinweg in gewissenhafter und strenger Forschung aufgebaut wurden, deswegen aus dem Fenster geworfen werden, weil ein Experiment nicht mit ihnen übereinstimmt. Sie verlangen wirklich überzeu­gende Beweise, und ein gewissenhafter Forscher macht sich daran, sie zu liefern.

Eine solche Situation ergab sich bei den klassischen Experi­menten Michelsons und Morleys. 1887 versuchten diese Phy­siker, die absolute Geschwindigkeit der Erde im Raum durch den hypothetischen Äther zu messen, indem sie die Lichtge­schwindigkeit in verschiedenen Richtungen verglichen. Zu ihrer völligen Überraschung schien die Geschwindigkeit in allen Richtungen die gleiche zu sein: als ob sich die Erde überhaupt nicht bewege. Die beiden Forscher akzeptierten ihre eigenen Resultate nicht; stattdessen wiederholten sie das Experiment, doch mit einer besseren Apparatur. Die Er­gebnisse waren die gleichen wie zuvor. Erst nachdem die bei­den im Anschluss daran zahlreiche Replikationen durchge­führt hatten, wurde ihr Ergebnis als Faktum akzeptiert. Man beachte, dass sie ihr erstes Resultat weder als offensichtlich falsch ablehnten, noch dass sie es unkritisch gelten ließen. Ein Wissenschaftler hat nicht zu glauben, dass ein Resultat richtig oder falsch ist, sondern er kann mit dem Urteil warten, bis er in der Lage ist, eine auf Kenntnisse gestützte Meinung anzu­bieten. Das Ergebnis von Michelson und Morley ließ sich nach vorhandenen Theorien nicht erklären; es passte nicht zu den Theorien Galileis und Newtons. Eine neue Theorie war erforderlich, die auf die neuen Resultate Rücksicht nahm; sie lag später mit Einsteins Relativitätstheorie vor. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass dann, wenn die Lehren der traditionellen Astrologie als richtig nachgewiesen würden, dies unser Studium der physischen Welt revolutio­nieren müsste. Dies wäre bereits dann der Fall, wenn die Ab­weichung vom erwarteten Verlauf der Ereignisse nur ganz gering wäre. Wenn beispielsweise die Tierkreiszeichen tat­sächlich mit dem persönlichen Schicksal korrelieren sollten, wäre damit schon bewiesen, dass dieser Einfluss überhaupt besteht, wie gering er auch im Vergleich mit anderen Fakto­ren sein mag. Wir wären gezwungen, unsere gängigen Vor­stellungen radikal zu ändern.

Dies war gerade das Faszinierende an den meisten Studien, die wir beschrieben haben. Denn man muss zugeben, dass sehr wenige von ihnen, selbst wenn sie immer wieder überzeugend repliziert wurden, etwas ergeben könnten, das einen prakti­schen Nutzen hätte. Wenn sich bei einem unter einer be­stimmten Planetenkonfiguration geborenen Menschen die Chance geringfügig erhöht, dass er eine unglückliche Ehe ein­geht – etwa ein Prozent über der normalen Erwartung-: wie viel hilft man ihm damit, dass man ihm dies sagt? Vernünftig wäre es nur dann, nach diesem Wissen auch zu handeln- etwa indem man unverheiratet bliebe -, wenn der Einfluss um ein Vielfaches größer wäre. In keiner der überzeugenderen Stu­dien, die wir durchgearbeitet haben, findet sich ein Hinweis darauf, dass wir es mit einer Wirkung zu tun hätten, die so gra­vierend wäre, dass sie praktische Bedeutung erlangte. Im gro­ßen Ganzen ist es wohl richtig, wenn man sagt, je überzeugen­der ein Experiment ist, um so mehr befasst es sich mit winzigen Abweichungen von der Wahrscheinlichkeitserwartung, die gewiss revolutionäre Implikationen für die Wissenschaft haben könnten, aber genau so gewiss für niemanden eine Hilfe bei seinen persönlichen Entscheidungen wären.

Die Wurzeln des Glaubens

All diese Kritiken lassen sich also gegen die traditionelle Astrologie richten, und ebenso kann man ihr die peinliche Tatsache entgegenhalten, dass sich ihre Praktiker untereinan­der nicht einig sind. Es gibt nicht eine Astrologie, sondern mehrere Astrologien – eine europäische, eine indische, eine chinesische -, und unterschiedlich orientierte Astrologen lei­ten daher aus denselben Phänomenen unterschiedliche Vor­hersagen ab. Im Gegensatz dazu sind die Gesetze der Physik und der Astronomie überall auf der Welt gleich, und man sollte das Nämliche auch von der Astrologie erwarten, wenn sie sich wirklich auf Tatsachen gründete. Wissenschaft ist in ihren Theorien und ihren Ergebnissen international; das Un­vermögen der Astrologie, zu einem Komplex weltweit aner­kannter Regeln zu gelangen, muss nachdrücklich gegen sie sprechen. Warum glauben also so viele Menschen – sowohl Astrologen wie ihre Kunden – an die Astrologie und sehen in ihr eine wichtige Erkenntnisquelle?

Wir haben ihre quasi-religiöse Funktion erwähnt, die darin besteht, dass sie dem Leben einen »Sinn« unterlegt. Erinnern wir uns an ein Experiment, das vor vielen Jahren B. F. Skinner durchführte. Eine Anzahl hungriger Tauben durfte frei in einem Laboratorium herumlaufen, in dem in regelmäßigen Abständen alle paar Minuten von einem Apparat einige Ge­treidekörner verstreut wurden. Am folgenden Morgen konn­te man beobachten, dass die Tauben ein sehr seltsames Ver­halten an den Tag legten: einige liefen mit hochgerecktem Kopf umher; einige ließen den einen Flügel über den Boden schleifen, während sie den anderen nach oben streckten; und wieder andere machten unterschiedliche zwanghafte Bewe­gungen dieser oder jener Art. Geschehen war dieses: die hungrige Taube vollführt, während sie durch das Laborato­rium läuft, die unterschiedlichsten Bewegungen; wenn nun zufällig Getreide auf den Boden geworfen wird, während sie eine bestimmte Bewegung macht, zieht die Taube den Schluss, das Futter sei geworfen worden, weil sie diese Bewe­gung gemacht habe. Der Vogel wird nun immer wieder diese Gesten vollführen, in der Hoffnung, damit weiteres Manna vom Himmel herabzubeschwören. Aus purem Zufall wird dann abermals hin und wieder Nahrung auf den Boden ge­worfen werden, und der Vogel wird sich in seiner (völlig irri­gen) Hypothese bestätigt finden. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er jene Bewegungen wieder voll­führt, bis er am Morgen umherläuft und sich überhaupt nicht mehr anders bewegen kann. So entsteht Aberglaube. Genauso werden sich ein Astrologe oder sein Kunde an die Gelegenheiten erinnern, bei denen ihnen das Getreidekorn in Gestalt einer erfüllten Prophezeiung vor die Füße gefallen ist. Sie werden die Gelegenheiten vergessen, bei denen es kein Getreidekorn gab. Niemand muss sich oder jemand an­deren bewusst täuschen: wir haben bereits gesagt, dass seriöse Astrologen im großen Ganzen ehrenwerte, intelligente und scharfsinnige Menschen sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass vielen Menschen der Glaube so leichtfällt, der Unglaube hingegen so schwer.

Abgesehen von der durch die Astrologie angebotenen Sinn-findung im Leben, die skeptischem Verhalten eher abträg­lich ist, gibt es auch noch andere Schwierigkeiten. Sie liegen in der Natur der Sache, mit der die Astrologie befasst ist: dem menschlichen Verhalten. Dieses stellt den Experimentator vor viele Probleme, die man auch aus dem derzeit unsiche­ren Zustand der Psychologie kennt, die nach einem Wort von William James eher eine Hoffnung auf eine Wissenschaft ist als schon eine ausgereifte Disziplin. Aussagen über phy­sikalische Substanzen lassen sich meist mit Sicherheit ma­chen, doch ist es weniger einfach, sichere Definitionen für psychische Zustände zu finden. Was genau meint man, wenn man sagt – was vielleicht ein Astrologe tut -, ein be­stimmter Mensch habe »Sinn für Humor«? Dass er häufig lacht? Oder dass er über die Scherze lacht, die wir machen? Oder dass er witzige Bemerkungen macht? Oder dass er sich selber nicht allzu ernst nimmt? Oder was sonst? Der Astrolo­ge, der sagt, sein Kunde habe Sinn für Humor, kann damit kaum danebentreffen; jedermann hat Sinn für Humor im ei­nen oder anderen Verständnis dieser Formulierung (oder glaubt, ihn zu haben), und er wird die Aussage des Astrolo­gen nach eben diesem Verständnis interpretieren. Dieses Einverständnis des Kunden wiederum wird den Astrologen wieder einmal von der Richtigkeit seiner Aussage und seiner »Wissenschaft« überzeugen.

Sodann ist da die Tatsache, dass die Astrologie eine sich selber erfüllende Prophetie sein kann. Wir erkundeten dieses Pro­blem im Zusammenhang mit der Hypothese, dass Introver­tierte unter den geradzahligen Tierkreiszeichen geboren wer­den, Extravertierte hingegen unter den ungeradzahligen. Wenn eine solche Vorhersage erst einmal weit genug bekannt ist, werden viele Menschen bei einer Beurteilung des eigenen Charakters von ihr beeinflusst – wenn diese Selbsteinschät­zung dann das Kriterium für die Kunst des Astrologen bietet, kommt es zu anscheinend positiven Ergebnissen, wiewohl diese keinerlei Beweiswert haben. Gegen diese stets vorhan­dene Gefahr hat man sich bei den Experimenten, denen wir begegnet sind, nicht immer abgesichert. Auch in den Vorstel­lungen der Astrologen über ihre Fähigkeit, eine Persönlich­keit mit astrologischen Mitteln diagnostizieren zu können, wurde diese Möglichkeit nicht berücksichtigt. Spielt dieser Tatbestand eine so wichtige Rolle, wie es sich nach unserer Meinung aus den Fallstudien ablesen lässt, dann wäre es ein weiterer gewichtiger Faktor, der mithilft, Astrologen und ihre Kunden an den Wert der Astrologie glauben zu lassen.

Künftige Möglichkeiten

Wenn uns Astrologen davon überzeugen werden, dass es an­dere, bessere Gründe dafür gibt, an die Wahrheit ihrer Leh­ren zu glauben – oder wenn sie einmal unter sich entschieden haben sollten, welche unter den einander widersprechenden Schulen der Astrologie die wahre sei-, dann müssen sich die­jenigen, die ehrlich meinen, sie praktizierten und lehrten nach sinnvollen Prinzipien, auf die schwierige Arbeit einlas­sen, nach richtigen Beweisen für ihre Hypothesen und Theo­rien zu suchen und sich dabei gesicherter Methoden der So­zialwissenschaften, insbesondere der Psychologie, bedienen. Eine Reihe von aussagefähigen Experimenten für dieses Ge­biet zusammenzustellen ist kein Problem; notwendig ist aller­dings, sie so durchdacht anzulegen, dass sie die vielen Fußan­geln in Rechnung stellen, auf die wir im Verlauf unserer Erör­terungen bisheriger Versuche hingewiesen haben. Wir hoffen daher, dass Astrologen ernsthaft die Aufgabe in Angriff neh­men, eine Wissenschaft aufzubauen und Zweiflern den Be­weis für die Stichhaltigkeit astrologischer Aussagen vorzule­gen, den sie bisher schuldig geblieben sind. Kann man annehmen, dass dies geschieht? Nach dem, was sich bisher abgespielt hat, erscheint es wahrscheinlicher, dass die meisten Astrologen damit fortfahren, sich um die mühse­lige Arbeit wissenschaftlichen Forschens herumzudrücken und die Kriterien der Wissenschaft abzulehnen, weil sie für ihre Kunst nicht angebracht oder unerheblich seien. Wir ha­ben oft Klagen darüber gehört, dass sich hartgesottene Wis­senschaftler eingemischt hätten, die in der Astrologie wirk­lich keine Rolle zu spielen hätten; Astrologen, die von der großen Wahrheit ihrer Disziplin überzeugt sind, sind meist der Ansicht, dass über den Beweis hinaus, den ihnen ihre Er­fahrung liefert, kein weiterer vonnöten sei. So wünschens­wert es wäre, dass sie die Last des objektiven Beweises akzep­tieren, so wenig wahrscheinlich erscheint es uns, dass sie es tun werden. Das wohl zu erwartende Ergebnis ist eine Fort­setzung der derzeitigen Politik, die sich in der Verbreitung von Behauptungen und Gegenbehauptungen erschöpft, oh­ne dass dafür ein Tatsachenfundament vorhanden wäre.

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