Die Anwendung kabbalistischer Zahlendeutungen auf Sterne oder Namen und Geburtsdatum eines Individuums wird als kabbalistische Astrologie bezeichnet. Dabei gibt es zwei Strömungen. Die ältere basiert darauf, dass Sterne durch gedachte Linien miteinander verbunden werden, welche Buchstaben des hebräischen Alphabets ergeben, und diese werden dann gedeutet.
Im 19. Jahrhundert wurde in Frankreich eine weitere Form der kabbalistischen Astrologie entwickelt. Sie kommt trotz ihres Namens gänzlich ohne Sternenkunde aus. Da sie sich in besonders konsequentem Maße jeder noch so wohlmeinenden Verbindung mit physikalischen Sachverhalten im weitesten Sinne entzieht, ist sie keineswegs unumstritten, sie hat aber den Vorteil, dass man über denjenigen, dessen Horoskop zu stellen ist, nicht mehr als Namen und Geburtsdatum zu wissen braucht.
Bei dieser Form der kabbalistischen Astrologie geht es darum, aus den Werten der Buchstaben von Vor- und Zunamen, aus Jahr, Monat und Tag der Geburt das Schicksal zu erfahren. Dazu werden in einem komplizierten Umrechnungsverfahren Schicksalszahl, Grad und Ordnungszahl des Tierkreiszeichens und der Schicksalsplanet festgelegt und diese Konstellation entsprechend gedeutet. Ziel ist auch hier das Erkennen des eigenen Schicksals.
Wegen der leichten Durchführbarkeit werden Horoskope auf dieser Basis bis heute vielfach in Annoncen beworben und angeboten.
Eine Sonderform der kabbalistischen Astrologie tritt unter der Bezeichnung Psychologie des Namens an. Hier wird noch nicht einmal mehr das Geburtsdatum gebraucht, nur der reine Name wird gedeutet. Das Ergebnis dieser Psychologie des Namens ist aber auch nichts, was den Namen »Horoskop« für sich beansprucht, sondern die reine Selbsterkenntnis. Jeder Buchstabe ist demzufolge Träger einer spezifischen Energie und mit einer besonderen Energie-Zahl verbunden. Alle Buchstaben haben ihren logischen Platz, ihre Reihenfolge, in der sie buchstäblich aufeinander aufbauen. Und so offenbart ein Name, welche Energien uns leiten – und verleiten. Anhand des Namens lasse sich erkennen, wie unser Denken und Handeln miteinander jonglieren, wer wir sind und wer wir sein wollen, wie wir uns geben und wie uns andere sehen. Und auch, wie eine Namensänderung unvermeidbar unser Leben verändert – ein Gefühl, das wohl jede Frau, die bei der Eheschließung ihren Mädchennamen vollständig abgelegt hat, in gewisser Weise nachvollziehen kann.
